Nachhaltiges Toilettenpapier? Zero-Waste-Klopapier selbermachen

Nachhaltiges Toilettenpapier? Zero-Waste-Klopapier selbermachen

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Hast du dir schon einmal Gedanken um nachhaltiges Toilettenpapier gemacht? Nach den USA ist Deutschland mit ca 134 Rollen bzw. 12,1 kg pro Kopf auf Platz zwei des weltweiten Klopapierverbrauchs (Quelle: Statista)! Aber geht das auch anders? brauchen wir so viel Papier?

134 Rollen pro Kopf! Das ist eine für mich fast unvorstellbar große Menge! In den Packungen, die ich kaufe sind in der Regel 8 Rollen, pro Jahr müsste ich also eigentlich 16,75 Packungen Klopapier nur für mich kaufen. Zum Glück bin ich deutlich sparsamer, auch wenn ich nun anfange zu verstehen, warum Klopapier seit Beginn der Coronakrise zur wichtigsten Schwarzmarktware auf Marktplätzen wie Ebay Kleinanzeigen lancierte.

Konfrontiert mit der Vorstellung, wie hoch der Müllberg pro Haushalt sein muss, den wir in die Kanalisation spülen, und angetrieben von der aktuellen Präsenz des Themas „Toilettenpapier“ in den sozialen Medien, habe ich angefangen nachzudenken. Ich habe begonnen zu recherchieren UND darüber zu sprechen, welche Alternativen es zum herkömmlichen WC-Papier gibt. In meinem näheren Bekanntenkreis fand ich tatsächlich einige Antworten auf meine Frage. Aus einer davon ist eine kurze DIY-Anleitung zum Selbermachen von Zero-Waste-Klopapier entstanden.


Alternativen zu Toilettenpapier

Es gibt viele Alternativen zum herkömmlichen Klopapier, sie sind uns nur wenig geläufig. Der Gang zur Toilette gilt als unappetitlich und ist wahrscheinlich noch ein größeres Tabuthema in unserer Gesellschaft, als die Menstruation. Die Vorstellung, sich nach dem großen Geschäft ohne die sicheren 3 Lagen Papier dazwischen an den Po zu fassen stieß bei meinen Gesprächen auf erstaunliche Äußerungen des Ekels. Dabei ist es in vielen Ländern absolut üblich sich den Po mit Wasser uns Seife zu waschen und anschließend abzutrocknen. In vielen asiatischen Ländern gibt es hierfür eine kleine Dusche neben dem WC. In Frankreich ist das Bidet, eine Art Sitzwaschbecken für diesen Zweck nicht unüblich. Eine Möglichkeit sich den Po direkt auf der Toilette abzuduschen gibt es übrigens auch für Badezimmer ohne diese Installationen zu kaufen. Happy Po ist eine mobile Po-Dusche, die du am Wasserhahn befüllst und mit einem Bidet-Aufsatz wird die Toilette zum Dusch-WC.

Warum nach Alternativen suchen?

Es gibt weitere gute Gründe, die für Alternativen zur Reinigung des Pos sprechen. Nicht nur die Vorstellung, wieviel Müll durch unseren Verbrauch anfällt. Zwei Kolleginnen, mit denen ich über das Thema gesprochen habe, haben beispielsweise chronische Erkrankungen, die mit schweren Durchfällen einhergehen. Toilettenpapier sorgt bei ihnen für eine zusätzliche Reizung, die durch die Reinigung mit Wasser vermieden werden kann. Auch die bei der Herstellung und beim Bleichen des Toilettenpapiers eingesetzten Chemikalien fallen dadurch weg. Rückstände dieser Stoffe können die empfindlichen Schleimhäute reizen.


Ohne wischen, ohne mich! Nachhaltiges Toilettenpapier fürs gewohnte Gefühl

Auch wer auf das Gefühl des Wischens nicht verzichten möchte, kann eine Alternative, sozusagen nachhaltiges Toilettenpapier, nutzen. Mit wenigen Schritten kannst du dir waschbare Zero-Waste-Toilettenpads nähen. Egal ob du diese für das große und das kleine Geschäft nutzen möchtest, oder dich an die Nutzung herantastest indem du sie nur nach dem Pipimachen benutzt, du wirst auf jeden Fall viel Papier einsparen!

Natürlich stellt sich bei solchen Alternativen immer eine Frage: Wohin mit den gebrauchten Tüchern? Die Tücher kannst du in einem kleinen Wäschekorb oder in einem Wäschesack sammeln und in der Waschmaschine reinigen. Optimal ist hierfür die Kochwäsche, mindestens solltest du den 60 Grad Waschgang nutzen – es ist also kein Problem, sie zum Beispiel mit den Handtüchern zusammen zu waschen.


Aber die Hygiene!

Eine große Befürchtung ist bei allem, das zur Reinigung dient: die Hygiene. Die Vorstellung, dass die Nutzung wiederverwendbarer, waschbarer Produkte unhygienisch sei ist verbreitet. Deshalb gelten Wegwerfprodukte, egal ob Slipeinlagen, Tampons, Kosmetikpads oder Taschentücher, als unersetzbare Errungenschaft der Zivilisation. Aus den Augen, aus dem Sinn. Wegwerfen erspart die Konfrontation mit den eigenen Ausscheidungen. Ich hege den Verdacht, dass unser Toilettenpapierverbrauch auch deswegen so hoch ist, weil man damit verdecken kann, was in der Toilette ist. So bekommt man ein Stückchen mehr Distanz dazu, dass man ein Mensch wie jeder andere ist…

Bei Toilettenpads, steigen Befürchtungen und Ekel noch. Überlege aber, wie du mit Bettwäsche umgehst, wenn deinem Kind ein Malheur passiert. Was tust du, wenn der Beckenboden nicht stark genug war und ein paar Tropfen Urin in die Unterwäsche gelangt sind? Hast du schon einmal auf einer öffentlichen Toilette zu spät festgestellt, dass das Papier leer war? Oder musstest du sogar so dringend, dass es dir egal war, ob es welches gibt? Wirfst du die Textilien wegen des Kontaktes mit Urin weg?


Caroline Prange, Caros Fummeley

„Wiederverwendbares Toilettenpapier klingt erstmal verrückt. Ich war vor etwas über einem Jahr bereit, es auszuprobieren und verwende meine waschbaren Klopads mittlerweile sehr gern. Ich mache es nicht nass und verwende es nur für das kleine Geschäft. Nach der Nutzung falte ich es 1-2 Mal und stecke es in einen kleinen Wäschesack. Dort bleiben die Pads bis ich sie mit der nächsten 60 Grad Wäsche reinige. Während der Aufbewahrung im Wäschesack sind sie nicht Luftdicht weggeschlossen – das ist überhaupt nicht nötig. Es gibt auch keinerlei Geruchsbildung. Ich vermute, dass sie dank der Luftdurchlässigkeit des Wäschesacks super schnell trocknen.
Traut euch und probiert es aus! Ich empfinde die selbstgenähte Variante mittlerweile als sehr viel angenehmer, als das Papier. Zudem nimmt es bei der Wäsche kaum Platz ein. Im Grunde ist auch nichts ekliges daran, denn nutzt man sie nur für Pipi, landet weit weniger Körperflüssigkeit auf den Pads als bei waschbaren Binden, Windeln oder Taschentüchern.“


Nachhaltiges Toilettenpapier selbermachen

Es gibt kaum ein Projekt das einfacher umzusetzen wäre, als nachhaltiges Toilettenpapier. Du brauchst ein Blatt Toilettenpapier als Vorlage, einen Bogen Kopierpapier, Molton und Baumwollstoff. Genäht wird an der Overlock oder der Haushaltsnähmaschine, für die jeweils das passende Garn benötigt werden.

Toilettenpads nähen Schritt für Shritt

Lege das Toliettenpapier auf deinen Blatt Papier. Zeichne mit 1cm Abstand die Kontur nach. Anschließend rundest du mit Hilfe einer Untertasse die Ecken ab.

Pro Pad benötigst du eine Lage Baumwollwebware und zwei Lagen Molton. Hefte deine Papierschablone mit Stecknadeln auf den Stoff- du kannst ihn in mehrfacher Lage zuschneiden. Schneide die Pads rund um die Schablone aus.

Wenn du mit der Overlock nähst, baue die linke Nadel aus- es wird die schmale dreifädige Overlocknaht verwendet. Stelle die Fadenspannung für einen Rollsaum ein, ziehe den Kettelfinger jedoch nicht zurück! Reduziere die Stichlänge etwas. An der Haushaltsnähmaschine stellst du einen Zickzackstich mit etwas reduzierter Stichlänge ein.

Lege nun zwei Lagen Molton und eine Lage Baumwollstoff zu einem Pad zusammen. Die Stoffe liegen links auf links. Nähe einmal rundum dein Pad. Vernähe anschließend die Fäden oder sichere die Fadenraupe. Fertig ist dein nachhaltiges Toilettenpapier!

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14 Kommentare

  1. issi
    /

    OK, Klopapier nähen klingt erst mal komisch aber man verwendet ja auch Stoffwindeln – das ist doch im Prinzip nichts anderes

    • LaLilly
      Autor
      /

      Ja, ich finde auch, dass man da keinen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern machen muss!

  2. /

    Ein toller Artikel! Deine Gespräche mit Anderen sind eine Bereicherung, die ich so in anderen Artikeln zu dem Thema bisher nicht las.
    Mit meinen Stoffbinden bin ich nun schon seit etwa 3 Jahren sehr glücklich. Dennoch schreckt mich Stoff-TP bisher noch ab – ich denke dabei vorrangig an das große Geschäft. Ich weiß, es ist nicht unhygienisch und wäre 100% besser als konventionelles TP, aber aufgrund des von dir angesprochenen Tabus und der gesellschaftlichen Einstellung sträubt sich etwas in mir.
    Auf den Gedanken, es (erstmal) nur fürs kleine Geschäft zu probieren, bin ich nicht gekommen. Dabei ist das eine großartige Möglichkeit sich an das Thema heranzutasten.
    Danke für die Inspiration! Ich werde es jetzt auf jeden Fall ausprobieren.

    • LaLilly
      Autor
      /

      Ich habe auch lange gebraucht um auf die Idee zu kommen- glücklicherweise hat Caro mir diesen kleinen Schubs gegeben. Jetzt bin ich völlig begeistert- so weich!!

  3. Ulrike
    /

    Also über diese waschbaren Läppchen kann man ja noch streiten – aber eine Anleitung (und das dann auch großartig Tutorial zu nennen) für ein rechteckiges Stück Stoff – !!

    • LaLilly
      Autor
      /

      Jeder fängt irgendwann mit dem Nähen an, vielleicht ist es für dich absolut offensichtlich, welche Maße, welche Lagen und welche Naht sich dafür eignen, aber nicht jeder der näht und sich für das Thema interessiert ist ein Profi, der keine Erklärungen und Erläuterungen braucht. Wie man es nun nennt, und ab welchem Aufwand ein Tutorial ein Tutorial ist, empfindet wohl jeder unterschiedlich. Ich denke, bei einer kostenlosen Anleitung ist es zumutbar sich mit dieser Bezeichnung zu arrangieren- es gibt ja auch einige Kaufanleitungen für Kosmetikpads auf dem Markt, die eben runde Läppchen sind, und sich ebenfalls an Anfänger richten. Ob man das braucht und ob es einem sogar Geld wert ist, darf glücklicherweise jeder selbst entscheiden. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich bei rechteckigen Stoffstücken etwas dazu lernen kann- Patchwork hat mich eines besseren belehrt.

  4. Simone Reiher
    /

    Eine super Idee : meine Oma hatte schon darmaz die Feuchtücher für die Tolette benutzt warum nicht :
    auch aus Stoff Klopappier zu nähen . Die kann man ebenso Waschen wie die Windeln von Darmals
    ich bin da bei…

    • LaLilly
      Autor
      /

      Genau, man kann sie waschen und eben auch anfeuchten oder mit etwas Lotion benetzen wenn man lieber feuchte Tücher mag. Gerade die gekauften Feuchttücher sind ja noch schlechter für die Umwelt, als das normale Toilettenpapier- daher ist es optimal, wenn man die auch direkt damit ersetzt!

  5. /

    Hallo!
    Ich habe vor 10 Jahren, als ich meinen ersten Sohn bekam bereits bei ihm damit angefangen nur moltontücher anstatt Windeln zu benutzen und anstatt gekaufte feuchtetücher, kleine Stoffstücke zu benutzen. Meine Schwägerin war zu dem Zeitpunkt ganz angetan von drr Idee, diese Stoffstücke selbst auch als Toilettenpapier Ersatzt zu nutzen. Nun wohne ich seit Januar bei ihr und bin froh, dieses „System“ übernommen zu haben. Deine Stoffstücke sind chick, geht aber auch einfacher😉. Wir haben einen 5L Eimer mit Deckel neben der Toilette stehen!

    • LaLilly
      Autor
      /

      Ja, das geht sicher einfacher- bei mir ist es immer ein Stück Wertschätzung für den Späteren Umgang, das die „Umständliche“ aber hübsche Version schafft, daher investiere ich die kurze Zeit die es mehr kostet dafür…
      Ich finde es großartig, dass deine Schwägerin das schon so lange so macht! Und auch, dass du mitmachst seit du dort wohnst!

  6. Christina Staeger
    /

    Tolle Idee: Darauf wäre ich nicht gekommen! DANKE! Und dann auch noch der Hinweis auf Happy Po – ich habe gleich bestellt…

  7. Sabrina
    /

    Wir haben unsere Tochter von Anfang an mit Stoffwindeln gewickelt und waren immer voll zufrieden! Ich muss dazu sagen, dass unser Mädl fast immer Bescheid gab, wenn sie mal groß musste 😉 daher war der Kaka-Windel-Anteil sehr gering *yeah*

    Wir verwenden heute noch Waschlappen und waschbare Kosmetiktücher fürs Auswischen nach dem Geschäft auf dem Klo. Mein Mann ist davon leider nicht begeistert, aber ich und meine Kleine haben damit keine Probleme! Ich fühle mich nach dem Abwischen mit einem Feuchten Tuch sauberer als nur mit TP! Ein großer Vorteil ist es, dass wir gleich neben dem Klo ein Waschbecken haben. Somit habe ich jederzeit Wasser in Reichweite!

    Eine einfachere Alternative zum Selbernähen wäre ein altes Handtuch zu zerschneiden und die Schnittkanten zu versäubern. Es ist schön dick und man benötigt nur eine Lage. So entstehen aus einem kleineren Handtuch gleiche eine Menge Tücher 😀

    • LaLilly
      Autor
      /

      Ich finde es total cool, dass ihr das beibehalten habt! Da wir keinen Trockner haben wird mir Frottee oft zu steif- ich mag das schon beim Abtrocknen nicht, daher hab ich mich für Molton entschieden, aber Handtücher Upcycle ich einfach zu anderen Projekten auf 🙂

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