Kostenlose Strickanleitung Mütze „Tante Luwieschen“

Kostenlose Strickanleitung "Tante Luwieschen " ALT

So richtig persönlich wird es auf meinem Blog normalerweise nicht. Aber heute muss ich davon eine Ausnahme machen. Heute ist ein für mich und meinen Blog sehr wichtiger Mensch verstorben. Meine Großtante „Tante Luise“.

Als Kind habe ich meine Ferien immer bei meiner Großtante verbracht. Es gab so viele tolle Dinge, die ich bei ihr erleben konnte. Alles war besonders für mich wenn ich bei Tante Luise war. Der Klang und Geruch von ihrem Kaffee, den sie in einer kleinen Kanne nach italienischer Art auf dem Herd zubereitete, die beste Bolognesesauce der Welt (sie hat mir irgendwann verraten dass das Geheimnis Weißwein und viel frisches Basilikum waren), frisch geriebener Parmesan- und der war damals, in den Neunzigern noch etwas, das nicht in jedem Supermarkt zu bekommen war, sondern wurde meist von ihrer jährlichen Reise nach Rom mitgebracht!
Bei Tante Luise wurden im Sommer die Brötchen auf der Außenfensterbank in die Sonne gelegt um sie wieder aufzubacken, es gab Scheiblettenkäse, Capri Eis und, das beste: Mascarpone unter der Marmelade aufs Brötchen.

Ich habe wirklich mehr Erinnerungen an die Ferien, die ich bei meiner Großtante verbracht habe, als an irgendwelche anderen Ferien.
Ein wichtiger Grund für mich, der es so attraktiv machte zu ihr zu fahren, war ihre Katze. Ein blauer Maine Coon Kater namens Hannibal, der mich genauso liebte wie ich ihn, und mit dem ich, immer im Kreis durch Küche, Wohnzimmer und Flur lief, mit einem Taschentuch an einem Wollfaden, ich vorweg und er auf der Jagt hinterher. Hannibal gab mir Küsschen und leckte Butter von meinem Finger, und brachte mir bei, dass Katzen einen eigenen Kopf, immer Hunger, wenig Respekt vor Sesseln und Bedarf an ausgiebigen Streicheleinheiten haben.
Hannibal schlief normalerweise auf den Füßen meiner Großtante. Wenn ich zu Besuch war, legte er sich zwischen unseren Zimmern auf den Flur Fußboden und bewachte uns beide. Er lag immer dort, wenn ich einschlief, aber auch, wenn ich nachts zur Toilette musste. Morgens gegen 6 ging er in Luises Zimmer und legte sich „ihr auf die Figur“ wie sie immer sagte. Er weckte sie, indem er sich der Länge nach, mit den Pfoten rechts und links an ihrer Wange, auf sie legte.
Dann gingen wir zusammen mit Hannibal spazieren- er wurde an einer Leine, mit blauem Wildledergeschirr, durch den Hof und über die zugehörige Wiese geführt. Er wartete schon an der Tür, und bestimmte konsequent den immer gleichen Weg. Im Frühling wuchsen auf dieser Wiese Veilchen, die ich mit Begeisterung pflückte.
Neben dem Hof befand sich ein Nachbarsgarten mit einem Pfirsichbaum. Er trug im Sommer weiße Pfirsiche, und mit viel Glück konnten wir im Hof manchmal welche aufsammeln- ich kann mich nicht erinnern woanders nochmal einen tragenden Pfirsichbaum in Deutschland gesehen zu haben.
Abends guckten wir „Geh aufs Ganze“ und „Das Glücksrad“ bevor ich schlafen ging. Und dazwischen waren die Nachmittage. Festes Ritual war immer ein Spaziergang am Rhein und ein Besuch auf dem Friedhof. Dort erzählte sie mir von allen, die sie gekannt hatte, die dort lagen, und kümmerte sich um das Grab ihres verstorbenen Mannes. Ich beobachtete kleine Käfer, die über die Grabsteine huschten und wartete auf sie. Am Rhein pflückten wir manchmal ein paar wilde Rosen und stellten sie zu Hause in eine Vase.

Warum Tante Luise für meinen Blog eine große Bedeutung hatte

Von Tante Luise habe ich die Grundlagen gelernt, die mich zu diesem Blog geführt haben. Ohne sie hätte ich in diesem Jahr kein Gewerbe anmelden können, um meine Leidenschaft für Nadeln und Fäden zur Leidenschaft zu machen. Ohne sie hätte ich dazu keine Grundlage gehabt.
Tante Luise strickte mir immer tolle Pullover, auf die ich sehr stolz war, wenn ich sie im Kindergarten trug. Ich habe jeden korrigiert, der die Vermutung äußerte, meine Oma könnte sie gestrickt haben. Und natürlich lernte ich irgendwann von Tante Luise stricken- rechte Maschen in hellgelbem Garn, und ich schaffte ungefähr 10x15cm. Damals muss ich in der zweiten oder dritten Klasse gewesen sein.
Auch Häkeln habe ich von ihr gelernt. Und so konnte ich in der dritten Klasse mit einem Ballnetz im Handarbeitsunterricht glänzen und allen anderen zeigen, wie man es anfertigt. Nur sticken brachte sie mir ein Jahr zu spät bei- in der Schule klappte es garnicht, aber bei ihr verstand ich, als ich ihr mein Leid über die verdorbene Tragetasche klagte, sofort, worauf ich achten musste.
Bommel, Quasten, alles was ich mit Wolle kann, habe ich bei ihr gelernt und später verfeinert.

Auch mein Interesse für Mode hat seine Wurzeln in meinen Ferienaufenthalten bei ihr. Ich habe die Zeit, in der sie ihren Mittagsschlaf hielt, immer damit verbracht ihre Vouge und Elle durchzublättern und war fasziniert von den Bildern der Models auf dem Laufsteg. Ich saß auf einem kleinen Fußhocker an ihrem Couchtisch und war begeistert von dieser aufregenden Welt die in ihren Magazinen abgebildet wurde. (Meine Bravo steckte sie wegen der anrüchigen Bilder zu dieser Zeit immer in eine Vase im Flur. Sie konnte nicht verstehen, dass meine Eltern mir erlaubten sowas zu lesen.)

Nach einem solchen Ferienaufenthalt fuhr ich bepackt micht Schätzen (abschließbare Dosen, glitzernde Wolle, schöne Bänder und manchmal auch kleinen Anhängern für eine Kette, die sie für mich gesammelt hatte) und vielen Dingen, die ich gelernt und gebastelt hatte, nach Hause. Und ich hatte kölsche Vokabeln und Geschichten von ihr im Gepäck, und Schokolade, die ich bei ihren Freunden bekommen hatte- Frau Weiser und ihrem Mann, die direkt mehrere Katzen hatten, und die ich deswegen gern besuchte, und Frau Weiß, die schon sehr alt war und gegenüber in einem Hochhaus wohnte. Tante Luise kümmerte sich um alle, besuchte sie regelmäßig und half ihnen wenn sie etwas nichtmehr konnten.

Weil meine Tante Luise so einen großen Einfluss auf meine Liebe zu Handgemachtem und Mode hatte, möchte ich meine erste eigene Strickanleitung, für eine Mütze, die ich schon vor ein paar Jahren entwickelt aber nie verbloggt habe, mit euch teilen. Sie ist vielleicht nicht professionell oder ausgereift, die Fotos sind nicht besonders schön oder von guter Qualität, aber das ist heute egal.
Für mich ist es eine Möglichkeit meine Großtante zu verewigen, und das ist mir sehr wichtig.

Die Mütze „Tante Luwieschen“

Was du benötigst:
4,5er Nadeln und passendes Garn. Ich habe nie eine Maschenprobe gemacht, aber im Ergebnis passte die Mütze für alle erwachsenen Frauen, denen ich eine gestrickt habe.

54 Maschen aufnehmen. Dann in Reihen stricken. 


Stricke 6cm Bündchen: 1 abheben 1 rechts, 2 links, 4rechts bis zum ende der Reihe, Rückreihe nur rechte Maschen stricken.

Sind 6cm im Bündchen Muster erreicht wird nach jeder 5. Masche eine Masche aufgenommen, dann glatt links gestrickt. (  Das Bündchen wird durch umschlagen anschließend auf der Seite der rechten Maschen liegen…)
nach 18 cm für 6 Reihen jeweils jede 5.und 6. Masche zusammenstricken, dann jede 3. und 4. bis nur doch 8 maschen auf der Nadel liegen. a

Abketten und die Mütze mit einem Matratzenstich hinten zusammen nähen.

Verlinkt bei Creadienstag, Dienstagsdinge, HOT

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4 Kommentare

  1. Ich kann die Liebe an sie in Deinen Zeilen lesen. Dass sie in Deinem Herzen ist, macht sie "unsterblich". Geniess diese wundervollen Erinnerungen. Alles Liebe, Jana

  2. was für zauberhafte und liebevolle Erinnerungen
    und die Mütze ist schlicht aber eine schöne Hommage an die Großtante

    lieben Gruß
    Uta

  3. Mein Beileid, Lisa… Ich kann dich sehr gut verstehen – was dir deine Tante Luisa war, war mir meine geliebte Oma. Aber die Liebe und die Erinnerung kann uns keiner nehmen. ❤
    Fühl dich gedrückt!

  4. Mein Beileid, Lisa… Ich kann dich sehr gut verstehen – was dir deine Tante Luisa war, war mir meine geliebte Oma. Aber die Liebe und die Erinnerung kann uns keiner nehmen. ❤
    Fühl dich gedrückt!

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