Das Opium der Frau – Warum ich deine Aufmerksamkeiten zum Weltfrauentag nicht will!

Das Opium der Frau – Warum ich deine Aufmerksamkeiten zum Weltfrauentag nicht will!

Heute ist Weltfrauentag. WOW, was für eine Gelegenheit die Frauen zu feiern. Als ich den Zwerg heute morgen in den Kindergarten gebracht habe, wurde ich mit einem „Alles Gute zum Frauentag!“ begrüßt. Beim Abholen gab es für die Mütter Blumen. Nette Gesten – sicher nicht böse gemeint – aber ich will diese Aufmerksamkeiten nicht. Was aus dem Weltfrauentag gemacht wird ärgert mich. Es macht mich wütend, auf ganz viele unterschiedliche Arten. Denn die Tatsache, dass das Wort FRAU in Frauentag vorkommt, scheint zu implizieren, dass dieser Tag perfekt geeignet ist um einen ordentlichen Reibach zu machen. Es geht schließlich um Frauen, und Frauen wollen kaufen um glücklich zu sein, oder? Was braucht eine Frau mehr, als Rabatte und Geschenke für ihre Zufriedenheit? Und wie gut muss sie sich fühlen, wenn man ihr die Rechtfertigung für ihre Einkäufe direkt mitliefert? Heute geht das klar, schließlich ist Weltfrauentag! Wer könnte einer Frau da ihre „Herzenswünsche“ absprechen?


Warum ich mich über Geschenke zum Weltfrauentag ärgere


Blumen und Rabatte zum Weltfrauentag? Finde ich scheiße, und ich erklär dir gern warum!

Wahrscheinlich kennst auch du die berühmte Aussage von Karl Marx, die Religion sei das Opium des Volks. Diesem bekannten Satz vorangehend erklärt Marx, dass die Religion ein allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund sei. Kommt das nur mir bekannt vor? Blumen, Pralinen und ein bisschen Shopping ohne schlechtes Gewissen darüber, dass wir Geld ausgeben. Wie oft wird uns das als Beruhigung vorgeschlagen? Als Ablenkung von Themen, die uns zu sehr beschäftigen oder über die wir uns nicht so den Kopf zerbrechen sollen?

Ich kann nicht mehr zählen, wie oft Freundinnen mir erklärt haben, warum sie sich ein paar Schuhe oder eine Handtasche kaufen mussten. Selbstverständlich nicht, weil es einfach schön ist sie zu haben. Sie wurden gekauft weil der Chef fies war oder der Mann zu wenig Zeit hatte, weil sie sich über die Lehrerin des Kindes geärgert hatten und Ähnliches. Sie wurden zur Beruhigung gekauft, um über eine Situation hinwegzutrösten, in der niemand da war um ihnen den Rücken zu stärken. Als Ablenkung um sich nicht unnötig mit der Situation auseinanderzusetzen. Und warum auch nicht, haben wir nicht schon von Al Bundy gelernt, dass man einer Frau, von der man seine Ruhe haben will einfach etwas Taschengeld zum Einkaufen gibt?


Beruhig dich doch!


Wenn du mir anbietest, heute 4 Kosmetikprodukte zum halben Preis zu kaufen, weil Weltfrauentag ist, fühlt sich das für mich genau danach an: Beruhig dich! Gönn dir was, dann musst du dir nicht den Kopf darüber zerbrechen, was für dich und deine Geschlechtsgenossinnen falsch läuft in dieser Welt! Das ist den ganzen Ärger doch nicht wert, genieß doch lieber dein Leben! Du wirst sehen, es geht dir direkt viel besser, wenn du dich nicht immer so aufregst!

Durch die Mails in meinem Postfach fühle ich mich heute reduziert. Werfen wir ihr doch einen kleinen Rabatt hin (den kann sie ja gebrauchen, wo sie sicher weniger verdient als ihr Partner), dann ist sie beschäftigt und wird nicht unbequem. Und außerdem, wer könnte sich so einen schönen Aufhänger für seine Werbung entgehen lassen?


Sinn und Zweck des Frauenkampftags

Der Weltfrauentag (auch Frauenkampftag, ein Begriff, der viel besser zum eigentlichen Sinn passt) stammt noch aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Anders als es viele vermuten, geht es aber nicht darum die Leistungen des Frauseins zu feiern (der Weltfrauentag ist nicht der Muttertag für alle Frauen!) sondern um den Kampf für die Gleichberechtigung. Dieser Kampf endet nicht beim Frauenwahlrecht, der Möglichkeit unseren Beruf ohne Erlaubnis unseres Mannes auszuüben oder der Tatsache, dass uns unsere Ehemänner nicht mehr ungestraft vergewaltigen dürfen. Es gibt noch viel zu tun. Statt uns mit dem Auspacken von Geschenken und dem drappieren der Frauentags-Schnittblumen ablenken zu lassen, sollten wir den Tag zum Anlass nehmen uns zu organisieren oder etwas für Frauen zu tun.


Was will ich?

Ich will den Zweck des Weltfrauentags zurück. ICH WILL RECHTE!


Blumen und Rabatte zum Weltfrauentag? Finde ich scheiße, und ich erklär dir gern warum!

Ich will selber über meinen Körper bestimmen und dass man mir zutraut die richtigen Entscheidungen zu treffen, und damit einhergehend eine Abschaffung der Paragraphen 218, 219 und 219a. Ich brauche niemanden, der sich über mich erhebt um mir zu sagen, dass er besser wisse was gut für mich ist als ich selbst, oder was ich meiner Psyche zumuten könne (Hallo Herr Spahn…).

Ich will die gleiche Bezahlung für meine Arbeit und die gleichen Chancen bei einer Bewerbung. Ich will Bedingungen, die es zu einer echten Entscheidung machen bei wem das Kind ist wenn es krank ist, oder wer wieviel Elternzeit nimmt, wenn ein Kind zur Welt kommt. Ich will dass die Zuständigkeit meines Partners für unsere Kinder genauso selbstverständlich ist wie die meine.

Ich will dass mir mit Respekt begegnet wird, wenn die Verhütung einmal versagen sollte. Keine schiefen Blicke, kein Tuscheln über Blödheit und Unfähigkeit hinter vorgehaltener Hand. Ich will, dass es nicht nur für meinen Partner ganz selbstverständlich ist, dass er dabei genauso viel Verantwortung trägt wie ich, sondern auch für jeden Außenstehenden. Wo ist die Aufklärung darüber, was die Pille mit dem weiblichen Körper macht? Wer steckt Energie in die Forschung an Verhütungsmitteln für den Mann? Und warum sind eigentlich die Nebenwirkungen hormoneller Verhütung nur für Frauen zumutbar?


Blumen und Rabatte zum Weltfrauentag? Finde ich scheiße, und ich erklär dir gern warum!

Ich will Gespräche über Situationen, in denen ich mich unwohl oder diskriminiert fühle, statt der Erklärung, dass mir diese Gefühle nicht zustünden! Wenn ich über den Klaps auf den Po, die anzügliche Bemerkung oder das süffisante Grinsen nicht erfreut bin, musst du damit Leben. Woher kommt die Annahme dass dir die Reaktion, die du erwartet hast zusteht oder dass ich zu deinem Wohlgefallen zu lächeln habe?

Ich will, dass Artikel für die Monatshygiene nicht höher besteuert werden, als Theaterkarten – viele Frauen können sich diese unter Anderem wegen der Preise für Tampons und Co. wahrscheinlich eh nie leisten. Ich will nicht schief angeguckt werden weil ich einmal im Monat blute, was als unsexy gilt und ich deswegen offenbar gerade nicht dazu geeignet bin das Bild der Frau zu verkörpern, das gesellschaftlich akzeptiert ist. Und ich will, dass meine Bauchkrämpfe genauso ernst genommen werden wie Zahnschmerzen oder Migräne.

Ich will, dass die Verteilung der Sitze im Bundestag die Verteilung der Geschlechter in unserem Land widerspiegelt und dass unsere Geschlechtsorgane in Schulbüchern richtig dargestellt werden. Ich will keine sexistische Werbung mehr sehen müssen und nicht draufzahlen, weil mein Rasierer pink ist und etwas runder geformt. Und wenn das alles erreicht ist, und noch so einiges mehr, dann darfst du mir zum Weltfrauentag eine Blume schenken, als Anerkennung dafür, nicht aufgegeben zu haben die Rechte von Frauen zu stärken.


Mein Angebot zum Frauentag


Blumen und Rabatte zum Weltfrauentag? Finde ich scheiße, und ich erklär dir gern warum!

Ich möchte auch ein Frauentags-Spezialangebot machen. Du kannst auch heute alle meine Anleitungen zum normalen Preis kaufen. So wie an den meisten Tagen im Jahr. Den Gewinn aus meinen Verkäufen des 8.3.2019 und des 9.3.2019, auf allen Portalen, werde ich spenden, an TERRE DES FEMMES. Denn eins ist sicher: Wir Frauen müssen investieren wenn wir eine Gleichberechtigung erreichen wollen. Unsere Zeit, unsere Energie und möglicherweise auch etwas Geld um unsere Lobby zu stärken.


„Nichts scheinen Götter und Männer mehr zu fürchten, als den Verlust der Kontrolle über Frauen.“

Mary Daly, Gyn/Ökologie, 1981
Folgen:

6 Kommentare

  1. Stephanie
    /

    Danke, du schreibst mir aus der Seele ??

  2. Sandra
    /

    Ich muss gestehen, dass ich eigentlich nur gekommen bin, um mir ein Schnittmuster anzuschauen und mir dachte, puuh, was ist das denn für ein Artikel? Dann habe ich ihn doch gelesen und möchte mich bedanken! Mir hat lange niemand mehr so aus der Seele geschrieben und er hätte wirklich viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Jetzt weiß ich, dass hinter dem Schnittmuster für meine nächste Tasche eine mir sehr sympathische Frau steckt.

  3. hui, du bist ja ne Originelle! 🙂 Mich regts im Grunde schon die ganze Zeit auf, dass so viele Frauen durch Insta und co. absolut glückllich sind mit den Themen Mode, Kosmetik, Kochen, Backen… absolut unemanzipiert.. Interessen wie in den 50er Jahren, wie Maria Furtwängler vor kurzem schon feststellte.
    Solche Blogs wie deiner heben sich da wohltuend von der Masse ab.. und die Modeartikel, die du anpreist, sind ja kreativ von dir selbst gefertigt! Das ist schon echt die Ausnahme.
    zum Frauentag: Tja, so lange so viele Frauen sich mehr mit den oberflächlichen Dingen beschäftigen, wird sich auch nicht viel tun… Den Frauentag zum 2. Valentinstag oder Muttertag zu erklären, wie es die Geschäftswelt gerne hätte, damit mit man sie mit ein paar lächerlichen Geschenkchen mundtot hält, das kann es echt nicht sein!
    Viele Frauen in anderen Ländern, (denen es ja auch noch viel schlechter geht) haben das ja begriffen und gehen an diesem Tag auf die Straße…. Aber ist dann eben umso abstruser, wenn man all die jungen Damen auf Insta und co. sieht, die wirlich nix anderes in der Birne haben als ihr Aussehen…. uff…

  4. Katrin
    /

    Danke für diese tollen Worte!!!

  5. Barbara
    /

    He, super! Genau so und nicht anders! Sehr gut geschrieben und sehr, sehr richtig. Ich freue mich über jede Gleichgesinnte?.

  6. Cindy
    /

    Wow, ein ganz toller, intelligenter und starker Text! Regt zum Nachdenken an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.