Ist Schnittmuster zusammenkleben zumutbar?

Ich war erschüttert, als ich in den letzten Tagen über einen Boykottaufruf stolperte! Es ging darum, dass Schnittmuster-Designer boykottiert werden sollten, wenn sie keine A0 Schnittbögen zu ihren Ebooks anbieten. Die Begründung auf der sich die Argumentation aufbaute war, dass das Kleben der Schnittmuster zu viel Arbeit sei, keinen Spaß mache, und einfach nicht nötig sei, wenn jeder Anbieter seine Schnitte auch im Format A0 zur Verfügung stellen würde.
Da ich selbst Schnittmuster- Ebooks erstelle und anbiete, möchte ich heute aus Designer-Sicht Stellung zu dem Thema nehmen. Vorweg sei gesagt: Ein Boykott, dem kein Diskurs vorausgeht vergiftet höchstens das Klima zwischen Designern und Kunden. Ein Ergebnis, mit dem keiner Seite geholfen wäre.

 

Ist es einfach möglich A0- Schnittbögen zu erstellen?

Ein Argument, das vehement angeführt wurde war, dass es den Designern ohne Schwierigkeiten und mit geringem Mehraufwand möglich sei Schnittmuster in DIN A0 Format zu bringen.
Tatsächlich ist es mit einem Grafikprogramm wie Adobe Illustrator nicht schwer die Zeichnung oder die Schnittteile auf verschiedensten Formaten abzubilden. Man kann die Maße der Seite angeben und das Schnittmuster einfach über Copy-Paste einfügen. Soweit betrachtet ist es also tatsächlich ein geringer Aufwand den A0 Bogen zu erstellen. Die Schwierigkeit und die verborgenen Kosten für den Designer liegen hier an einem ganz anderen Punkt.
Viele Schnittdesigner arbeiten mit Schnittbüros oder freiberuflichen Schnittdirectricen zusammen um ihre Schnitte professionell erstellen zu lassen. Dieses Outsourcing des Konstruierens und der Gradierung auf die einzelnen Konfektionsgrößen, was meistens die Aufgaben sind, die dann extern übernommen werden, stellt sicher, dass die Qualität der Schnittmuster auch bei ungelernten Designern hoch ist, denn hier schlummert großes Fehlerpotential.
Bei jedem Schnittmuster, das extern erstellt wird, muss der Designer im Voraus, ohne dass das Schnittmuster zu diesem Zeitpunkt Einnahmen liefert, die Arbeitsstunden der Directrice oder des Schnittbüros bezahlen. Fallen im Probenähen Änderungen an, kommen erneut Kosten auf den Designer zu.

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Diese Ausgaben sind das finanzielle Risiko des Designers, denn zu dem Zeitpunkt, zu dem die Rechnungen zu begleichen sind, steht nicht fest, ob das Ebook ein Erfolg oder ein Flop wird. Hinzu kommen die laufenden Kosten für die Designer, denn auch wenn man die Schnitte im Nebenberuf erstellt, müssen einerseits Rücklagen gebildet werden, um auf die kleinen Katastrophen im Designer- oder Bloggerleben reagieren zu können, wenn zum Beispiel der Computer kaputt geht oder die Kamera den Dienst quittiert. Andererseit zahlt man ab einem gewissen Umsatz, den man im Nebenerwerb hat auch anteilig die Krankenversicherung selber und vieles mehr.
Einen zusätzlichen Schnittbogen erstellen zu lassen bedeutet in diesem Kontext ersteinmal die Vergrößerung des finanziellen Risikos, das in einem Schnittmuster schlummert. Dieses Risiko muss abgewogen werden, gegen den Nutzen. Dieser Nutzen ist letztlich nichts anderes als die Vermutung, wieviele Ebooks man wegen der A0 Datei mehr verkaufen wird und wieviel den Käufern dieser Service bedeutet. Die große Frage ist: Gewinne ich mehr oder treuere Kunden, wenn meine Ebooks auch eine A0 Datei mit dem Schnittmuster im Gepäck haben?

Wenn es kostenlose Grafikprogramme gibt, warum wandeln die Designer damit nicht den Schnitt um?

Tatsächlich gibt es Freeware, die viele Funktionen von kostenpflichtigen Grafikprogrammen bietet. Es ist aber nicht gesagt, dass es ohne Probleme und Fehlerquellen möglich ist, die Schnittmuster in diese Programme zu importieren. Hinzu kommt, dass Grafikprogramme selten so intuitiv zu bedienen sind wie beispielsweise Powerpoint. Es kostet den Designer also Zeit sich einzuarbeiten, das Programm kennenzulernen, viele Male per Trial and Error auszuprobieren, ob wirklich alles funktioniert, ob die Größe anschließend noch stimmt und welche Einstellungen beim Exportieren der Datei nötig sind, damit eine A0 Datei entsteht, die nach dem Drucken auch fehlerfrei das Schnittmuster darstellt.
Dieser Lernprozess kostet einige Zeit und die Versuche die richtigen Einstellungen zu finden sind eine Verzögerung zum Erscheinungstermin des Ebooks, denn die wenigsten haben die Möglichkeit vor Ort größer als DIN A4 zu drucken und müssen erst die Probedrucke abwarten, die sie sich von einer Online-Druckerei oder einem Plottservice zuschicken lassen.
Letztlich führen diese Umstände zu der gleichen Frage wie der vorherige Abschnitt: Gewinne ich so viele Kunden durch die A0 Datei, dass dieser Aufwand gerechtfertigt ist?

 

Die Vorteile des DIN A4-Klebe-Schnittbogens

Ja, auch ich finde es eher unbequem mit großen Bögen aus A4-Seiten zu hantieren, diese zusammenzukleben und die Schnittteile anschließend auszuschneiden. Ausschneiden? Ja, für mich ist ein entscheidender Vorteil der Ebooks, dass ich den Schritt mit dem Abpausen der Größe überspringen kann, den ich beim Nähen nach Zeitschriften oder Büchern am wenigsten mag.
Wir sind inzwischen, was die Verfügbarkeit von Schnitten betrifft, sehr verwöhnt. Das Internet bietet tausende Optionen, was man nähen kann, nur wenige Minuten nachdem man es entdeckt hat. Der A4-Klebe-Schnittbogen ermöglicht es, das Schnittmuster schneller auszudrucken, als man einen Papierschnittmuster aus einem Geschäft nach Hause bringen kann. Damit begegnet er einem Bedürfnis, das absolut zeitgemäß ist. Dass Streamingdienste CDs und DVDs ablösen, ist auf den gleichen Wunsch nach der direkten Verfügbarkeit und der Bequemlichkeit dafür das Haus nicht verlassen zu müssen zurückzuführen, wie der Erfolg des Schnittbogens zum Zusammenkleben.
Das bedeutet nicht, dass es nicht schön ist einen zusätzlichen Bogen zu haben, den man durch einen Plottservice drucken lassen kann. Aber der Schnittbogen zum Zusammenkleben ermöglicht was der A0-Bogen nicht kann: Die Möglichkeit sofort mit dem Nähen zu beginnen, wenn einen die Muse küsst.

 

Wie funktioniert das denn, mit einem Schnittbogen, den ich nicht selbst ausdrucken kann?

Die A0 Dateien (und auch die Zwischenformate, die nicht exakt den DIN-Maßen entsprechen) kann man entweder in einem Copyshop oder über einen Online-Plottservice plotten lassen. Plotten bedeutet in diesem Fall nicht, dass wie bei einem Schneidplotter aus dem Papier geschnitten wird, sondern es ist die Entsprechung zum Drucken des Schnittmusters, es wird also der Inhalt der Datei auf Papier abgebildet. Dieses Papier wird anschließend gerollt oder gefaltet und kann dann mitgenommen beziehungsweise verschickt werden.
Der Besuch im Copyshop ist in diesem Fall ein teures Vergnügen, denn ein A0 Bogen kostet dort meistens über 5€ und viele Schnittmuster können nicht auf einer einzigen A0 Seite untergebracht werden, wenn die Schnittteile ohne Überlappung angeordnet sind. Dadurch bleibt aber bei den meisten Anbietern der Vorteil des Ebooks, dass man in der Regel nicht abpausen muss, sondern die Teile aus dem Papier ausschneiden kann, erhalten.
Die günstige Alternative sind die Online-Services, beispielsweise Repro-Online oder die Plotterei, aber auch Schnittherzchen.
Das Angebot der Services ist unterschiedlich. Liegt das Schnittmuster bereits im richtigen Format vor, zahlt man bei den günstigeren Anbietern für die A0 Seite zwischen einem und zwei Euro. Ein Plott in schwarz weiß ist dabei günstiger als in Farbe (was der Designer beim Erstellen berücksichtigen muss, denn es ist nur möglich unterschiedliche Konfektionsgrößen in schwarz weiß zu unterscheiden, wenn sie auch durch unterschiedliche Linientypen dargestellt werden!). Hinzu kommen dann die gängigen Versandkosten von 5-7€ (gefaltete Plotts sind oft im Stückpreis etwas teurer, können dafür aber günstiger versendet werden als die gerollten Bögen).
Es lohnt sich also nicht, wenn man nur einen einzigen Bogen plotten lässt, sondern man sollte, damit die Versandkosten sich lohnen, direkt mehrere Schnitte plotten lassen. Das erfordert Planung und ist somit dem Bedürfnis nach sofortiger Nutzbarkeit des Ebooks entgegengesetzt.

 

Was kann ich tun, wenn ich das Kleben des Schnittmusters vermeiden möchte?

Tatsächlich bieten inzwischen immer mehr Designer die A0-Bögen zu ihren Ebooks an. Und natürlich bestätigst du sie in dieser Entscheidung, wenn du Schnitte kaufst, die dir diese Option bieten. Es ist nicht verwerflich, wenn man seine Kaufentscheidung auch davon abhängig macht, ob die Datei enthalten ist. Es ist ein Faktor für den man sich genauso wenig schämen muss, wie dafür dass man eine bestimmte Art Anleitung bevorzugt oder gern Schnitte bei einem Designer kauft, dessen Schnittbögen optisch ansprechend sind.
Wenn du Einfluss darauf nehmen möchtest, dass das Angebot an Schnittmustern mit dieser Option wächst, dann gib den Designern diese Rückmeldung. Wir bekommen zwar zeitweise recht viele Mails und Nachrichten, ich kann aber denke ich auch für meine Kollegen sprechen, wenn ich sage, dass konstruktives Kundenfeedback uns allen hilft und wir gerne über kundenfreundliche Änderungen nachdenken. Selbst die Nachfrage ob es ein neues Ebook inklusive einer A0 Datei geben wird, zeigt uns wie groß die Nachfrage nach diesem Service ist und erleichtert die Entscheidung dazu die Mehrarbeit auf uns zu nehmen.
Du kannst auch in Probenähen teilnehmen. Dort hast du einen direkten Kontakt zum Designer und dein Wunsch wird weniger schnell übersehen als wenn du ihn nur allgemein in einer Gruppe äußerst. Der Weg zu einem Boykott aufzurufen ohne den Kontakt zu den Designern gesucht zu haben ist alternativ sicher weniger erfolgversprechend.

Für alle, die diese Wege nicht gehen, sondern ganz direkt das Kleben der Schnittbögen bei Ebooks umgehen wollen, die sie schon zu Hause haben, gibt es noch zwei weitere Möglichkeiten. Die eine ist etwas umständlicher, aber dafür kostengünstig: Mit einem Grafikprogramm wie Inkscape kann man selber die Seiten aus einem A4 Schnittmuster zu einem großen Bogen zusammenbauen, den man dann über den Plottservice drucken lassen kann.
Der andere Weg ist bequemer, kostet aber etwas mehr, wenn man einen Plottservice nutzt, der wie beispielsweise Schnittherzchen das Zusammensetzen der A4 Seiten zum großen Bogen übernimmt. Dort kostet der Plott dann entsprechend mehr, aber man spart Zeit, in der man stattdessen nähen kann.

 

Warum ich meine Schnitte auch im A0 oder Zwischenformaten anbiete

Meine persönliche Entscheidung die zusätzliche Arbeit für Schnittbögen in DIN A0 auf mich zu nehmen liegt in zwei Ursachen begründet:
Da ich zum Erstellen der Plotterdateien ohnehin ein Grafikprogramm erlernen musste, war für mich der Schritt zum Erstellen eines A0 Bogens nicht so groß, wie er für jemanden ohne diese Erfahrung ist. Da die Directrice, die für mich die Konstruktion und Gradierung übernimmt mir die Schnittbögen direkt im passenden Format senden kann, muss ich tatsächlich nur die Schnitteile kopieren und etwas “Tetris” damit spielen, damit sie auf den Bogen passen.
Ich möchte aber auch, dass meine Ebooks sich durch einen hohen Komfort für meine Kunden auszeichnen. Sowohl was die detaillierte Anleitung betrifft, als auch durch die Möglichkeit A0 Dateien plotten zu lassen oder Anregungen zu eigenen Interpretationen der Schnitte im ausführlichen Lookbook zu finden. Damit nehme ich einen zusätzlichen zeitlichen Aufwand in Kauf, genüge aber auch meinen eigenen Ansprüchen an Ebooks.

Meine Schnittmuster und Plotterdateien findest du hier bei Makerist*- und wenn du jetzt neugierig auf ein detailliertes Lookbook bist, dann schau dir doch einfach mal eins an- Lola ist ein Bahnenrock, Alma ein Freebook für ein Journal und Maribel & Marisol sind zwei kombinierbare Taschen.

Wie stehst du zu der Frage A0-Schnittbogen Ja oder nein? Ich freue mich wenn du mir einen Kommentar mit deiner meinung hinterlässt!

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Folge:

12 Kommentare

  1. KreaTix
    /

    Also im Vergleich zum Rädeln auf Zeitung (so hab ich das früher gemacht) sind eBooks im A4 Format eine enorme Erleichterung. Dennoch schneide ich nach dem Kleben nicht aus, sondern übertrage auf Folie. So bleibe ich mit den Größen variabel. An einem Boykott würde ich niemals teilnehmen. Ich schätze die Arbeit der Schnittmusterersteller sehr.

  2. Es freut mich sehr das zu lesen! Rädeln finde ich vom arbeiten her angenehmer als abpausen, aber die schnittbögen leiden leider sehr darunter- besonders bei überlappenden schnittteilen..

  3. Liebe Lalilly,

    vielen dank für diesen Text! Von dem Boycott habe ich nichts mitbekommen -ein Glück! Da wird ja auf sehr hohem Niveau gejammert, finde ich. Und ich verstehe auch nicht, dass man bereitwillig 5-7€ zusätzlich für einen A0 Bogen ausgibt, beim ebook selbst aber gegeizt wird. Das soll möglichst kostenlos sein oder nicht mehr als 2€ kosten.

    Lieber Gruß,
    Sonja

  4. /

    Mir macht weder das Zusammenkleben noch das Abpausen etwas aus. Zusammengeklebte Schnittmuster pause ich aber immer extra ab – der nervige Teil beim Abpausen ist für mich nämlich nicht das Abpausen selbst, sondern das Suchen der Teile auf dem Schnittbogen und das Aufpassen, dabei nicht zu verrutschen; wenn ich einzelne Teile abpause, die sich nicht überlappen, geht es schnell und ist für mich keine Mühe mehr. Ich mache das auch bei gekauften Papierschnittmustern so (ich nähe auch mit/für andere, teile mir Schnittmuster mit meiner Schwester und dazu kommen Figurveränderungen – da ist es so weniger Arbeit als einen Schnitt mehrfach zu drucken und zu kleben).

    A0-Dateien sind nice to have, aber ich nutze sie nicht besonders häufig. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich eher bei den großen amerikanischen Herstellern (seltener bei Burda, da kaufe ich eher die Hefte) einen Papierschnitt kaufe als Indie-Schnittmuster. Kann man besser weiterverkaufen, wenns nix für einen ist.
    Die sofortige Verfügbarkeit ist für mich tatsächlich absolut irrelevant. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals einen Schnitt sofort genäht hätte in den letzten 15 Jahren …

    Drucken würde ich eher etwas größere Teile – ich habe vor vielen Jahren mal bei Burda einen Schnitt für ein ausladendes langes Kleid gekauft, der dann 80-100 Seiten hatte (den Schnitt gab es nur digital). Würde ich nie wieder tun. Da würde ich es doch eher in Kauf nehmen, mehrere A0-Bögen drucken zu lassen.
    Ich verstehe trotzdem den Wunsch vieler Leute nach A0-Dateien; es mag eben nicht jeder das Kleben. Ich frage mich allerdings, ob die noch nie was von Burda, McCalls, Butterick, Simplicity usw. gehört haben, bei denen es eine riesige Auswahl an Papierschnittmustern gibt …

    Den Boykottaufruf verstehe ich hingegen nicht. Ein Aufruf, an die Hersteller die Bitte um einen zusätzlichen A0-Schnitt zu schicken, wäre verständlich _und_ sinnvoller – wenn ein Hersteller von dem Boykott nix mitkriegt, bleiben für ihn ggf. ohne Grund die Käufe aus; da wäre die Reaktion garantiert nicht "Oh, es wird weniger gekauft, da investiere ich doch mal in A0-Schnittmuster!" …

  5. Ich nutze selber manchmal den Service es auf A0 drucken zu lassen, dann schicke ich aber auch direkt mehrere Schnitte hin, sodass es pro Bogen nicht so hohe kosten sind. Wenn man das vergleicht mit Kosten für Toner und Papier, ist es nichtmehr wesentlich teurer als selber zu drucken- und für zeitersparnis zahlt man ja gern. Was die Preise der Ebooks angeht hast du allerdings recht. Ich kaufe des öfteren Schnitte im englischsprachigen Ausland und frage mich wirklich, wie der Aufschrei aussieht, wenn wir hier Preise von 18€ für einen Schnitt aufrufen würden!?

  6. Ich glaube auch bezüglich der Papierschnitte siegt bei vielen die Bequemlichkeit. Ich lese aus deinem Kommentar heraus, dass du schon lange nähst und entsprechend auch erfahren bist. Vor 15-20 Jahren waren die Ebooks ja noch nicht üblich, und somit auch nicht, dass Schritt für Schritt mit Fotos erklärt wurde wie man vorgehen muss. Wer an diese Anleitungen gewöhnt ist, den trifft bei einer Burda Anleitung meistens erstmal der Sprichwörtliche Schlag, da ist einige Erfahrung und vor Allem viel mitdenken gefordert. Auch die Anpassungen an die eigene Figur meiden viele Näherinnen inzwischen, wenn man in den verschiedenen Foren querliest. Ich gebe zu, ich mache das auch nicht gerne. Für mich sind Burda-Schnitte auf Grund der vielen Anpassungen die ich machen muss auch eher Leid als Freude, aber wenn man etwas sucht, findet man auch Anbieter die zur eigenen Figur besser passen und bei denen sich die nötigen Anpassungen im Rahmen halten. Für mich sind das zum Beispiel Schnitte von La Maison Victor. Durch die intensiven Probenähen habe ich aber bei Indie Schnitten auch eher das Gefühl mit wenig Änderungen auszukommen und auch die Anleitungen sind dadurch nah am Kunden. Da werden oft auch Kleinigkeiten noch behoben. Aber ob man diese Eigenschaften braucht hängt eben sehr an der individuellen Erfahrung.

  7. Hallo,
    ich habe vom Boykott auch nichts mitbekommen und kann es auch nicht verstehen, weshalb man nicht erst den Weg des direkten Ansprechens wählt. Das finde ich sehr schade. Muss sagen A0 Format interessiert mich überhaupt nicht, ich bin vollends dankbar für die Selberausdruckvariante, da kann ich sofort anfangen. Perfekt. Außer der Drucker spinnt. Bei Taschen sind es nicht zuviele Seiten und bei Klamotten mit mehr Größen Rolle ich sie zusammen und pause sie mit MAlerfolie ab, so kann ich gleich Änderungen vornehmen in der Länge oder Weite. Kommt mir sehr entgegen, mein Sohn ist eher schmal aber braucht mehr Länge, das geht dann immer supergut. Dein Post war jetzt auch wenn ich nichts mitbekommen habe, sehr informativ, was so im Hintergrund alles zu beachten ist, bekommt man ja nicht unbedingt mit. Vielen Dank dafür.

    ganz liebe Grüße,
    Petra

  8. Ich mag die elende Schnittpuzzelei nicht und bevorzuge daher gedruckte Schnittmuster – Download-Schnitte nur, wenn der Schnitt wirklich einzigartig ist. A0-Schnitte würde ich da bevorzugen.
    Aber – "Boykottaufrufe" halte ich für nicht sinnvoll. Klar, ich kaufe bevorzugt, was mir besser gefällt, eine "Abstimmung mit den Füßen" wird es bei Kaufprodukten ohnehin immer geben. Aber wer sollte warum etwas boykottieren? Wer A0-Schnitte lieber mag, kann die kaufen (oder klassische gedruckte Einzelschnitte), wen das Zusammenkleben nicht stört, der kann das machen – das hat ja auch Vorteile. Wäre Quatsch, wenn letztere drauf verzichten, obwohl sie das Produkt mögen … denn ehrlich, es herrscht wirklich kein Mangel an kaufbaren Einzelschnitten; es ist nicht so, dass jemand, der nicht gern zusammenklebt, an verfügbaren Schnittmustern darben müsste.

  9. Ich freue mich, wenn es ein eBook zusätzlich als A0 gibt, ich habe dann auch manchmal mehre gesammelt und dann drucken lassen, aber wie du schon schriebst, manchmal möchte man eben sofort los legen und dann wird eben geklebt, genau so wie wenn es eben kein A0 gibt. Für mich ist das ein netter Zusatz, aber definitiv kein Grund der meine Kaufentscheidung beeinflusst. Ich hasse es auch total, abzupausen und schneide die zusammengeklebten Schnittmuster immer aus genau wie die aus A0 gedruckten. Den Aufruf zum Boykott habe ich gelesen und ehrlich gesagt kopfschüttelnd Würz gescrollt, dass das so große Wellen schlägt, habe ich nicht vermutet.

  10. /

    Liebe Lisa,
    danke für diesen Artikel. Ich bin auch immer noch am überlegen, welche Variante am geeignetsten ist. Da ich selber die Schnitte digital erstellen kann, entfällt für mich zumindest die Bezahlung der Direktrice.
    Ich habe mich entschieden, für jede Größe A4-Bögen anzulegen. Dann druckt man die Größe, die man braucht und kann direkt ausschneiden. Ich verstehe das Bedürfnis, sofort loslegen zu können, deshalb würde ich selber wohl auch kleben.
    Der Weg in den Copyshop kostet halt Zeit und der Plot extra Geld. A0-Bögen zu versenden, mag eine komfortable Alternative sein, aber abgesehen von den Versandkosten gibt es hier auch eine zusätzliche Umweltbelastung, die ich persönlich vermeiden möchte. Und diese Umweltbelastung ist für mich ein entscheidender Grund, nicht A0 zu bestellen. Hat darüber jemand nachgedacht bei diesem Boykott?

  11. Anonym
    /

    Liebe Lisa, ich sehe das ganz einfach: Wer ein an sich tolles Schnittmuster nur deshalb boykottiert, weil kein A0-Bogen dabei ist, ist doch selbst schuld! Von dem bisschen Klebearbeit lasse ich mir meinen Traumschnitt doch nicht vermiesen. Nähen macht eben auch mal unangenehme Arbeit und nicht immer nur Spaß. Ich z.B. würde gern aufs Zuschneiden verzichten, weil ich das nicht mag – tja, Pech gehabt, da muss man halt durch. Wegen der Kleberei gleich zum Boykott aufzurufen finde ich wirklich dumm – die Leute können froh sein, wenn sie keine größeren Probleme haben. Und sollten sich mal drauf besinnen, wie Problemlösung wirklich funktioniert: drüber reden, und zwar in anständigem Ton. Das scheinen heute leider viele vergessen zu haben.
    Ich bin sehr glücklich, dass es so viele tolle und vielfältige Schnittmuster gibt. So viele Designer machen das nebenberuflich und haben eigentlich noch einen "richtigen" Job und obendrein noch Kinder, die auch viel Zeit und Aufmerksamkeit brauchen. Trotzdem schaffen sie es, die Näh-Szene mit tollen Schnitten zu beglücken, die es mir ermöglichen, meine ganz individuelle und vor allem passende Garderobe selbst zu fertigen. So ein Ebook macht schließlich jede Menge Arbeit. Das bewundere ich sehr und dafür bin ich überaus dankbar.
    LG Maria

  12. /

    lustig, das ist mir bisher auch total entgangen.

    ich habe ja bei ein paar meiner schnittmuster den A0 bogen bei makerist hochgeladen – aber den Plot-Service dort nutzt so gut wie niemand. hatte bisher also nicht den Eindruck, dass die nachfrage nach A0 riesig ist.

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